Presseschau

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Frankfurter Allgemeine Zeitung

24. Oktober 2008, Seite 54


Bitte genau prüfen

Von Hans Riebsamen

Die Sache ist verkorkst. Eine völlig überzeugende Lösung für die U 5 hat bisher noch niemand vorlegen können. Oder ist es etwa überzeugend, eine von Preungesheim bis zum Hauptbahnhof führende Strecke einfach zu verkürzen und schon an der Konstablerwache enden zu lassen? Genau dies hat die schwarz-grüne Koalition vor. Die Linie U 5 soll nicht nur in eine Straßenbahn-Linie umgewandelt, sondern auch von der wichtigen Umsteige-Station „Willy-Brandt-Platz“ und vom Hauptbahnhof abgekoppelt werden. Die Fahrgäste werden sich bedanken.

Auf Ablehnung im Nordend stößt auch der Plan, an den Stationen „Musterschule“ und „Glauburgstraße“ wegen der dortigen Enge der Eckenheimer Landstraße barrierefreie Hochbahnsteige zu errichten. Wie man einen Stadtteil durch eine Bahnlinie trennen kann, sieht man an der Eschersheimer Landstraße. Dort sind schon Dutzende von Fußgängern zu Tode gekommen beim Versuch, die andere Straßenseite auf schnellem Weg zu erreichen. Man muss den Fehler nicht an der Eckenheimer wiederholen. Deshalb müsste den Politikern aller Parteien, die schon so lange vergebens nach einer überzeugenden Lösung suchen, der Vorschlag der Initiative „Rettet die U 5“ eigentlich höchst gelegen kommen. Er wirkt nämlich, zumindest auf den ersten Blick, überzeugend. Niemand kann aber sagen, ob die Lösung, die Straße abzusenken, funktioniert. Das müssten jetzt Verkehrsfachleute etwa von der VGF untersuchen. Sie werden aber nur tätig, wenn die Politik ihnen einen Auftrag gibt.

Die Verkehrspolitiker arbeiten sich schon lange an dem Problem ab. Jetzt können sie sich auch noch die Zeit nehmen, den neuen Vorschlag genau zu prüfen. Verkehrsdezernent Lutz Sikorski (Die Grünen) sollte in seinem Kalender nach einem Termin suchen.


Bahn im Trog

Initiative legt Vorschlag zur Rettung der U5 vor

Eine Bürgerinitiative hat gestern ein Konzept vorgestellt, das den Erhalt der U-Bahn-Linie 5 und barrierefreie Bahnsteige vorsieht. Es schlägt die Absenkung der Straße inklusive des Schienenwegs in eine Art Trog vor, um auf diese Weise einen ebenen Einstieg in die U-Bahnen zu ermöglichen. Eine ähnliche Lösung gibt es nach Angaben von Markus Söllner, dem Sprecher der Initiative, in Stuttgart an der Mittnachtstraße.

Wie berichtet, plant die schwarz-grüne Koalition die Umwandlung der von Preungesheim zum Hauptbahnhof führenden U-Bahn-Linie in eine Straßenbahnlinie. Diese soll dann allerdings nur noch bis zur Konstablerwache verlaufen. Die Kappung der Linie an dieser Stelle halten die Mitglieder der nicht parteigebundenen Gruppe "Rettet die U5" für einen gravierenden Fehler. Sie schlagen vor, an den Problemstationen Musterschule und Glauburgstraße - dort ist die Eckenheimer Landstraße so eng, dass keine normalen barrierefreien Stationen gebaut werden können - die auch als Schienenweg dienende Straße um 40 bis 45 Zentimeter abzusenken und die Bürgersteige um etwa 40 Zentimeter anzuheben. Auf diese Weise soll ein ebener Einstig in die U-Bahn möglich werden. Die beiden Stationen Musterschule und Glauburgstraße sollen nach den Plänen der Initiative 25 Meter nach Norden versetzt werden. Die Bahnsteige, an die Fußgänger- und Radwege angrenzen sollen, sollen insgesamt 75 Meter lang sein. Um vom Auto- und U-Bahn-Trog in der Mitte aus auch die Seitenstraßen der Eckenheimer Landstraße anfahren zu können, sollen die Rampen nicht durchgängig verlaufen, sondern zum Beispiel in Höhe der Musterschule an der Ausfahrt zur Rappstraße und zum Oberweg unterbrochen sein. Diese Ausfahrten seien auch für Feuerwehrwagen passierbar, sagen die Initiatoren. Der eine Teil der Bahnsteige soll 25 Meter, der andere 50 Meter lang sein, die neuen U-5-Züge könnten die Stationen also mit drei Wagen anfahren. Die Lücke im Bahnsteig soll dort liegen, wo Wagen verkuppelt sind. Auf diese Weise könnten die Bahnen türgenau an den Bahnsteigen halten. Einzelheiten sind auf der Website der Initiative zu finden (www.rettet-die-u5.de).

Jetzt hofft die Initiative auf ein Gespräch mit dem Verkehrsdezernenten Lutz Sikorski (Die Grünen). Sie erwarten, dass ihr Vorschlag in die verkehrspolitische Diskussion einbezogen wird, bevor die Stadtverordnetenversammlung und die Stadtregierung eine endgültige Entscheidung über die U5 fällen. rieb.

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